Angela Aux malt Stimmungen aus Klängen… der Frontman des Hip-Hop Projekts L’egojazz veröffentlichte bereits zwei Solo-Alben auf den Netlabels laridae.at und komakinomag.de. Heute erscheint nun sein erstes CD-Release auf dem Red Can Records Label.

Angela Aux spricht mit mir über Folk und Kraut, über Netlabelmusik und experimentelle Songstrukturen…

Eve: Die Liste der dich inspirierenden Musiker ist wahrscheinlich lang, und von Vielem ein bißchen, so zumindest spiegelt es sich in deiner Musik wieder. Du bezeichnest diese Musik dann selbst als ´weird kraut folk`. Du löst zwar irgendwie den grenzenden Charakter der Genres wieder auf, in dem du das Wort ´weird` hinzufügst, aber was ist für dich persönlich nun eigentlich Folk und was Kraut?

Angela Aux: Hm… naja… als Folk bezeichne ich Musik, die nicht unter die Genres Jazz, Pop, Funk, Hip Hop und so weiter gelistet werden kann… warum das so ist, ist schwer zu sagen… bei Folk ist der Text vor allem sehr wichtig, das unterscheidet die Folkmusik vom Pop… und für mich ist der Text eine wirklich wichtige Komponente und wohl auch die Melodien, die in sowas wie einem internationalen Kulturfundus lagern. Bei Abba zum Beispiel, in deren Musik hat der Text keine inhaltliche Funktion. Da geht es nur um ein Produkt… aber bei Queen ist es dann doch wieder anders… aber das ist eben doch auch kein Folk.

Eve: Über Abba ist der moderne Pop dann aber doch auch irgendwie schon hinausgewachsen… ich beschäftige mich viel mit Genres, also der philosophischen Komponente und ich finds spannend, was die Musiker selbst unter ihren Genres verstehen, deswegen frage ich… aber es ist schwierig zu fassen, die Sache mit den Genres…

Angela Aux: … Ja voll, Kraut ist da einfacher! Deutsche Experimentalmusik, mit ´ner Qualitätshürde. Kraut ist eine Art Gütesiegel, also Experimentalmusik mit so einer modern-mystischen Komponente. Ein Siegel für außerordentliche Verkopftheit. Kraut hat vor allem eine inhaltliche Komponente. Can, Neu!, Amon Düül, Harmonia… das waren alles sehr experimentelle Herangehensweisen. Keine dieser Bands wollte in erster Linie Produkte machen, sondern vielmehr eine kollektiv veränderte Wahrnehmung dokumentieren. Das Ganze hatte also eine politische Komponente: Eine Absage an Bestehendes.

Eve: Und du verstehst nun deine Musik auch als eine Art Dokumentation von etwas sich Verändernden… Aber inwiefern nun ´Kraut´?

Angela Aux: Naja, Kraut ist dann die experimentelle Herangehensweise, die Verkopfheit, eine gewisse strukturelle Komplexität, ein Versuch der Abbildung der Ewigkeit, das Genre-Sampling… natürlich legt man sich das so zurecht… und heißt eigentlich: ich würde gern Krautrock machen!

Eve: Du hast ja bereits auf dem Netlabel Laridae.at und auf komakinomag.de digitale Platten veröffentlicht und tauchst auf diversen Samplern auf, aber wie bist du damals überhaupt auf Netlabels gekommen?

Angela Aux: Auf Laridae bin ich über das internationales Künstlernetzwerk ´Schmiede Hallein` gekommen. Dort lernte ich den Gründer von Laridae, nämlich Firnwald kennen. Ein sehr flashiger Typ und ein sehr guter Freund mittlerweile. Der hat mich überhaupt erst auf die ganze Netsache gebracht. Das ist irgendwie typisch für mich, in meinem Freundeskreis gibt es so einige Experten für bestimmte Genres oder Zeiträume. So wird man dann eingeführt, so richtig subwissenschaftlich von Experten… man bildet sich gegenseitig. Sehr spannend… Na wie auch immer, Firnwald meinte damals, man müsse meine Musik ´raushauen`…

Eve: Und hörst du selbst auch Netlabel-Musik?

Angela Aux: Heute eher wieder weniger. Ich habe im Jahr 2007 sehr viel Netlabelmusik gehört, aber da fehlte mir oft die theoretische Komponente, da war vor allem diese Computermusik mit so wenig Text und das fand ich schade… irgendwie eine Bewegung in die falsche Richtung. Mittlerweile widme ich mich wieder verstärkt meiner alten Plattensammlung. Aber ich bin gespannt wie sich die Netzgesellschaft strukturell weiterentwickelt. Netlabels als selbst erhaltende Institutionen und so….

Eve: Gut, lass uns noch ein wenig über dein erstes physisches CD-Release sprechen, ´whatever you guess it’s not` das auf dem Label Red Can Records am 29.4. erscheinen wird.

Ist dieses Album ein Konzeptalbum: Also hast du dich hingesetzt und gesagt, jetzt mache ich ein Album, oder hast du da eine Reihe angesammelter Skizzen verwendet, die du dann zu einem Album zusammengefügt hast?

Angela Aux: Beides! Ich produziere ziemlich viel Musik. Es gab noch ungefähr fünfzehn weitere Songs, die auch mal zur Auswahl standen, aber ich habe dann letztendlich Titel zusammengefügt die konzeptionell zueinander gepasst haben. Wichtig war mir der cinematische oder literarische Stil, in den einzelnen Momenten und Songs, aber das Album auch als Ganzes. Ich wollte eine Bildebene schaffen und nicht nur Indiesongprodukte bauen… spielen… gewissermaßen.
Will heißen: Ich setze mich nicht hin und sage, jetzt schreib ich einen Hit und konjugiere das dann runter… es geht mir eher um die Geschichte, oder die Idee… wie auch immer…

Eve: Was ich ja bemerkenswert an deinen Alben finde, ist dass du dort immer Songs einarbeitest, in denen du konsequent bis zu sechs Akkorde einfach immer und immer wieder abspielst, ohne dass sich die Songstruktur ändert.

Angela Aux: In diesen Songs geht es dann um die jeweilige Stimmung. Ich finde so ein Popsonggerüst macht die Idee von Songs oft kaputt…. will heißen, dann ist da zwar ein Popsong, aber die eigentliche Idee geht irgendwie verloren… hinter einer Produktstruktur. Und das mag ich nicht so… mir wurde auch schon vorgeworfen ich könnte keine Bridges schreiben… aber in diesen Songs wie zum Beispiel ´City, Morning` geht es um eine ganz einfache Stimmung… fast banal… und wie sinnvoll ist es, so eine banal-leicht-freie Stimmung in ein abwechslungsreiches Gerüst zu packen?

Eve: Das heißt die Songs sind so eine Art Hinweis auf die eigentliche Idee… hm… allerdings dachte ich vor allem an den Song: ´Trees growing from my neck`…

Angela Aux: Ah… ok… ja das is Experimentalmusik. Hier geht es natürlich auch um Stimmung… irgendwie um die Wiederholung… wie zum Beispiel der Verkehr in der Stadt.. die ständige Abfolge von Gleichem… Einheit von Form und Inhalt… und so weiter…

Eve: Also ich finde es mutig und spannend, dieses Konzept mit diesen dazwischengeschobenen Songs in einem Album und diese dann auch einfach mal bis zu zwei Minuten aushalten zu lassen… und dass du Song Bridges schreiben kannst beweist du ja in anderen Titeln.

Angela Aux: Ich bin ein Fan von Skizzen. Die ersten Beck Platten waren wunderbar. Und warum? Weil er sich keine Gedanken darüber gemacht hat, ob sich das, was er macht, verkaufen lässt. Der hat einfach gemacht und damit gewissermaßen eine Zeit interpretiert… Und Lärm ist doch heutzutage eine wichtige Sache. Allgegenwärtig und auch dieses ewige stupide Wiederholen…

Eve: In dem Song ´outcome` auf deinem ersten Album auf Laridae hast du diesen gesprochenen Text von dem Mann und dem Haus in deinem Kopf… den fand ich ja ziemlich gut, nur leider taucht so eine kleine Geschichte in deinem neuen Album gar nicht auf, was ich ja sehr schade finde…

Angela Aux: Doch, irgendwie taucht es doch auch dort auf, nur in einer anderen Form… subtiler, also eher in der Musik- und Geräuschebene. Aber das ist natürlich nicht das was du meintest…Aber solche Songs kommen wieder! Versprochen!